Ich bin der Boss!
April 1, 2009 at 16:11 Hinterlasse einen Kommentar
Autoritärer Führungsstil in Unternehmen
Hierarchische Entscheidungsmuster
Der autoritäre Führungsstil steuert ein Unternehmen durch festgelegte Prozesse, Normen und Vorgaben. Entscheidungen fließen von oben nach unten und Anweisungen müssen befolgt werden. Mitarbeiter haben nur wenig Entfaltungsspielraum, werden kontrolliert und in Entscheidungen nicht einbezogen. Grundlage eines autoritären Führungsstils ist die Gehorsamkeit der Mitarbeiter. Wenn diese die Autorität des Chefs anzweifeln, wird ein solcher Führungsstil scheitern.
Der große Vorteil dieses Führungsstils sind die schnellen Entscheidungen, die dadurch möglich werden, dass es kaum Diskussionen gibt. Manager wirken entscheidungsstark und durchsetzungsfähig, sie können direkt Einfluss nehmen auf die Arbeitsabläufe.
Andererseits ist die Gefahr groß, dass Rivalitäten zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzen gefördert, Flexibilität und Kreativität hingegen schwer gemacht werden. Die Motivation der Angestellten bleibt gering, denn sie können sich kaum verwirklichen. Dadurch gehen Talente und Impulse verloren – eine schlechte Basis für Spitzenleistungen.
Aktuelles Beispiel
Hartmut Mehdorn, vor kurzem zurück getretener Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, zählt zu den umstrittensten deutschen Managern und musste schließlich den Hut nehmen aufgrund seines autoritären, von Argwohn geprägten Führungsstils. Das Vertrauen zwischen der Unternehmensführung und den Beschäftigten wurde durch jahrelangen Datenabgleich und E-Mail-Kontrollen so nachhaltig beschädigt, dass ein Verbleib Mehdorns an der Spitze der Deutschen Bahn AG nicht mehr vertretbar war.
Besonders schwerwiegend kann sich beim autoritären Führungsstil auswirken, dass auch unangebrachte Anweisungen des Chefs ausgeführt werden. Das Debakel bei der Bahn konnte sich ereignen, weil Einwände und Stopp-Rufe nicht möglich waren. Mitarbeiterkontrolle und Überwachungswahn kann niemals das Instrument sein, um eine Organisation auf Dauer erfolgreich zu machen, und Mehdorn’s Umgebung hätte versuchen müssen, ihn davon abzuhalten. Ob es Warnungen gab und ob sich in Mehdorn’s Nähe überhaupt noch kritisch denkende und sich äußernde Manager hielten, darf indes bezweifelt werden. Aufsichtsrat, Gewerkschaften und Politik sprangen schließlich ein.
Ende gut? Es könnte besser sein!
Mehdorn, der die Deutsche Bahn zu einem profitablen, internationalen Logistik-Unternehmen gemacht hat, verliert aufgrund einer autoritären und von Misstrauen durchdrungenen Unternehmenskultur seinen Posten und damit die Möglichkeit, als Zugführer eines riesigen Betriebs weiter sein Können zu präsentieren.
Mehr dazu:
Die Welt
Tagesspiegel
Zitat: “Ende gut? Es könnte besser sein!” – © Friedrich Löchner,
Eintrag abgelegt unter Führungskultur, Wirtschaft. Tags: autoritär, Führungskultur, Job, Mehdorn, Vertrauen.
Diesen Artikel zurückverfolgen | Abonniere Kommentare via RSS Feed