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Deutsche Bahn AG trennt sich von fast der Hälfte ihrer Vorstände
In der Presse war in diesem Zusammenhang zu lesen, dass der neue Chef der Deutschen Bahn durch diese Maßnahme seine Person mit einem Neuanfang verknüpfen will. Doch der Abschied vom Personal Mehdorn heißt noch nicht Abschied vom System Mehdorn. Und dazu gehörte in Bezug auf die Mitarbeiter der Generalverdacht auf Korruption oder Geheimnisverrat. Grube muss nun seinen Angestellten wieder das vermitteln, was die Basis jedes erfolgreichen Unternehmens ist: dass sie Vertrauen und Wertschätzung verdienen. Denn sie sind es, die den Erfolg des Konzerns an jedem einzelnen Tag gewährleisten.
Wer dagegen diese Grunderkenntnis missachtet und die Angestellten wie potenzielle Feinde oder unmündige Befehlsempfänger behandelt, der wird seiner Firma nachhaltig schaden. Schlechtes Ansehen im eigenen Unternehmen verbreitet sich nämlich rasend schnell auch unter den Kunden. Aus miserablem Umgang mit den Beschäftigten resultiert nicht selten auch mieser Service gegenüber dem Kunden. Das ist eine zentrale Lehre aus der Ära Mehdorn.
Sein Nachfolger Rüdiger Grube hat nun die Aufgabe, das zerstörte Vertrauen mühsam wieder aufzubauen.
(Zusammenfassung des Leitartikels der Schwäbischen Zeitung vom 14.05.09)
Auf Resultate kommt es an!
Vor einem Jahr schloss ich Freundschaft mit einer Zicke und einem faulen Sack. Wir kannten uns schon lange, entdeckten unsere gegenseitige Zuneigung aber nicht gleich. Jetzt mögen wir uns von Herzen, unsere Eigenarten finden wir aneinander reizvoll und den Alltag schmücken wir mit kleinen Gefälligkeiten. Wir arbeiten im selben Büro.
Unsere unvermutete Entwicklung kam mit dem neuen Boss. Bis dahin hatte tagein und tagaus jeder vor sich hingewurstelt und war im eigenen Revier geblieben. Ich hätt mir manchmal mehr Inspiration gewünscht, doch wir beschäftigten uns in der Hauptsache mit Daten und Zahlen, der Laden lief und man blieb für sich.
Nun ist es anders. Seit wir wie Hunde verprügelt werden, sind wir Verbündete. Wir arbeiten gut, doch der Boss will noch mehr. Er peitscht uns durch den Arbeitstag, jagt Zielen nach, die wir nicht verstehen, vieles will er anders und alles schnell. Aufgaben kamen dazu und viel Kritik. Wir leisten mehr als früher, doch es wird nicht gewürdigt.
Hinter geschlossenen Türen kläffen wir über unsere Not. Wir halten einander fest, machen uns Mut, versuchen klarzukommen und ziehn den Schwanz ein. Niemand wagt aufzumucken, der Boss hat viel Macht und Freunde in den richtigen Stellen. Nun gut. Das große Zittern ist bald vorbei, ich hab neue Arbeit gefunden.
Schade um die netten Kollegen!
Ich bin der Boss!
Autoritärer Führungsstil in Unternehmen
Hierarchische Entscheidungsmuster
Der autoritäre Führungsstil steuert ein Unternehmen durch festgelegte Prozesse, Normen und Vorgaben. Entscheidungen fließen von oben nach unten und Anweisungen müssen befolgt werden. Mitarbeiter haben nur wenig Entfaltungsspielraum, werden kontrolliert und in Entscheidungen nicht einbezogen. Grundlage eines autoritären Führungsstils ist die Gehorsamkeit der Mitarbeiter. Wenn diese die Autorität des Chefs anzweifeln, wird ein solcher Führungsstil scheitern.
Der große Vorteil dieses Führungsstils sind die schnellen Entscheidungen, die dadurch möglich werden, dass es kaum Diskussionen gibt. Manager wirken entscheidungsstark und durchsetzungsfähig, sie können direkt Einfluss nehmen auf die Arbeitsabläufe.
Andererseits ist die Gefahr groß, dass Rivalitäten zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzen gefördert, Flexibilität und Kreativität hingegen schwer gemacht werden. Die Motivation der Angestellten bleibt gering, denn sie können sich kaum verwirklichen. Dadurch gehen Talente und Impulse verloren – eine schlechte Basis für Spitzenleistungen.
Aktuelles Beispiel
Hartmut Mehdorn, vor kurzem zurück getretener Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, zählt zu den umstrittensten deutschen Managern und musste schließlich den Hut nehmen aufgrund seines autoritären, von Argwohn geprägten Führungsstils. Das Vertrauen zwischen der Unternehmensführung und den Beschäftigten wurde durch jahrelangen Datenabgleich und E-Mail-Kontrollen so nachhaltig beschädigt, dass ein Verbleib Mehdorns an der Spitze der Deutschen Bahn AG nicht mehr vertretbar war.
Besonders schwerwiegend kann sich beim autoritären Führungsstil auswirken, dass auch unangebrachte Anweisungen des Chefs ausgeführt werden. Das Debakel bei der Bahn konnte sich ereignen, weil Einwände und Stopp-Rufe nicht möglich waren. Mitarbeiterkontrolle und Überwachungswahn kann niemals das Instrument sein, um eine Organisation auf Dauer erfolgreich zu machen, und Mehdorn’s Umgebung hätte versuchen müssen, ihn davon abzuhalten. Ob es Warnungen gab und ob sich in Mehdorn’s Nähe überhaupt noch kritisch denkende und sich äußernde Manager hielten, darf indes bezweifelt werden. Aufsichtsrat, Gewerkschaften und Politik sprangen schließlich ein.
Ende gut? Es könnte besser sein!
Mehdorn, der die Deutsche Bahn zu einem profitablen, internationalen Logistik-Unternehmen gemacht hat, verliert aufgrund einer autoritären und von Misstrauen durchdrungenen Unternehmenskultur seinen Posten und damit die Möglichkeit, als Zugführer eines riesigen Betriebs weiter sein Können zu präsentieren.
Mehr dazu:
Die Welt
Tagesspiegel
Zitat: “Ende gut? Es könnte besser sein!” – © Friedrich Löchner,